The Hess Collection Winery
Wein und Kunst
Der Berner Unternehmer Donald Hess ist berühmt für seine Weine und seine Sammlung moderner Kunst.
Wie muss man sich wohl einen Schweizer vorstellen, der auf vier Kontinenten Wein herstellt? Donald Hess ist gross, mit silbergrauem Haar, elegant gekleidet mit dem Quäntchen Lässigkeit, das den Herrn von Welt auszeichnet. Fürsorglich schiebt er Wasser und Schokolade über den Tisch, sorgt sich um das Wohl der Gäste. Zwar ist der gebürtige Berner ein wichtiger Name im internationalen Weingeschäft, aber im Umgang hat er sich die Schweizer Tugenden bewahrt: Herzlichkeit, Zurückhaltung, Bodenständigkeit.

Und wenn er, der die 70 bereits hinter sich gelassen hat, zu erzählen beginnt, dann folgt eine spannende Geschichte auf die andere. Zum Beispiel die, wie er, als er noch Inhaber von Valser Wasser war, zum Weinproduzenten wurde. 1978 war es, und er bereiste auf der Suche nach einer neuen Quelle für Valser Wasser die USA. 35 hatte er sich bereits angeschaut, als sich Ernüchterung breitmachte: «Keine entsprach den Schweizer Qualitätsanforderungen.» Hess verzichtete auf einen Quellenkauf und ging mit der Crew ins angesagteste Restaurant vor Ort essen. Er bestellte einheimischen Wein, je eine Flasche Chardonnay und Cabernet. Und war überrascht von der guten Qualität! «Ich dachte damals, kalifornische Weine seien vergleichbar mit den marokkanischen, wo die Trauben zu viel Sonne und zu wenig Kühle abbekommen», sagt er. Spontan entschloss er sich, anstatt einer Quelle einen Weinberg zu kaufen. «Ich wollte schon immer etwas mit Erde machen», sagt er, «und ich trinke gern Wein.»
Mit dem ihm eigenen Wissensdurst machte er sich unverzüglich in Sachen Weinanbau kundig. Reiste sechs Wochen durch Kalifornien und inspizierte von Mendocino und Sonoma über Napa bis Monterey Weinberge. Alles wollte er von den Arbeitern vor Ort wissen: «Warum schneidet ihr die grünen Trauben ab? Warum werden die Blätter abgezupft?» Er interviewte Rebmeister und Önologen der Wineries. Der Kauf der ersten sieben Hektar Weinberge am Mt. Veeder, Napa Valley, war der Grundstein zu seinem Imperium. Heute besitzt er über 1000 mit Reben bepflanzte Hektare und viele langfristige Traubenverträge auf vier Kontinenten und produziert 1,8 Millionen Kisten zu zwölf Flaschen.

Hess Select Syrah
The Hess Collection Winery, California, 2007, 75cl 22.90

Hess Select Chardonnay
The Hess Collection Winery, California, 2008, 75cl 18.90

Hess Select Cabernet Sauvignon
The Hess Collection Winery, California, 2007, 75cl 22.90
Hess ist ein guter Zuhörer, ein Menschenfreund. Einer, dem die Umwelt und der Erhalt von Landschaft und Kultur für die nächsten Generationen am Herzen liegen. Nachhaltigkeit und Bio sind bei ihm schon seit bald 20 Jahren ein Thema - lange bevor es zum Trend wurde. Wie er denn auf nachhaltigen Weinbau kam? Auch das ist wieder eine kleine Geschichte. Mitte der Sechzigerjahre kaufte der Kunstliebhaber vom Schweizer Maler Rolf Iseli ein Bild. Als er ein zweites haben wollte, beschied ihm Iseli, dass er keines mehr haben könne, denn er würde mit seinem Unternehmen zur Zerstörung der Umwelt beitragen. Hess lacht und sagt: «Da bin ich mit abgesägten Hosenbeinen dagestanden.» Aber die Botschaft sass, und er kam ins Grübeln. Bereits 1968 besass er, wie er sagt, «die erste grüne Holding». Jahre, bevor Bio und Sustainability, Nachhaltigkeit, zu Schlagwörtern wurden. 1992, nach zehn Jahren Sustainable Farming in Kalifornien, hat er seine Erfahrungen an die Kollegen weitergegeben und bewirkt, dass viele Winzer auf Bio umstellten. Ganz ohne PR-Effekte - «wir können unseren Nachkommen keine tote Erde hinterlassen», sagt er. Und Rolf Iseli verkaufte ihm wieder seine Bilder.
Diese sind nicht die einzigen in seiner Sammlung, die Hess Collection ist berühmt und umfasst die wichtigsten zeitgenössischen Künstler. Auch bei der Auswahl von Kunst ist sich Hess treu geblieben, hat er seine Wahl stets mit dem Bauch getroffen, nie einfach einen «Namen» gekauft. «Ich erwerbe ein Bild nur, wenn es mich berührt», sagt er. Und aus den Begegnungen mit den Künstlern ist mit den Jahren oft eine Freundschaft erwachsen. Wer ein Selbstverständnis hat wie Donald Hess, der legt seine Kunst nicht in den Banktresor: «Das finde ich verwerflich.» Kunst sei ein Spiegelbild unserer Welt und eine Bereicherung für alle, also muss sie sichtbar sein. Drei Hess-Museen gibt es bereits in Kalifornien, Argentinien und Südafrika, ein viertes ist derzeit in Australien geplant. Und obwohl seine Kunstsammlung nie als Marketinginstrument gedacht war, hilft sie ihm heute, auf seinen Wein aufmerksam zu machen. Ins Napa Valley kommen die Besucher auch wegen seines Museums, wegen des Deutschen «mit dem kurzen Namen und der sauguten Kunst».
Text: Regina Decoppet












