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Skincare

R wie Reinigen und R wie Respekt

Als schweizerisch-japanische Doppelbürgerin weiss die Zürcher Modemacherin Kazu Huggler, wie man gepflegt von Westen nach Osten und zurückreist.

Sie war im Sommer erst vor wenigen Tagenwenige Tage zuvor mit ihrem Geschäft vom ruhigen Hottingen ins quirlige Aussersihl gezogen und hatte gerade einen Kulturanlass über japanische Traditionen und Ästhetik hinter sich gebracht, als wir uns mit der Pendlerin zwischen West und Ost, zwischen Zürich und Tokio über japanische Schönheitsrituale unterhalten konnten.

Ein heller Teint, die dunklen Haare zu einem präzisen Chignon zusammengebunden und rote Lippen – wer Kazu Huggler an Veranstaltungen wie ihrer Modeschau sieht, bekommt den Eindruck einer Asiatin aus dem Bilderbuch. So einfach wie das Klischee ist Schönheit auf Japanisch allerdings nicht. Genauso wenig ist sie ein eitler Egotrip wie im Westen. Rote Lippen schminke sie, «wenn ich Kraft brauche oder bei Auftritten und Vorträgen», sagt Kazu Huggler. Sonst möge sie es lieber dezent und folge dem Motto «Weniger ist mehr».


So trug sie bei dem erwähnten Anlass der Asiatischen Gesellschaft der Schweiz keinen Lippenstift. Der Grund war die Anwesenheit eines hochrangigen Mitglieds des japanischen Kaiserhauses. «Die Prinzessin war die Hauptfigur», erklärt Kazu Huggler, «da durfte ich nicht mehr auffallen als sie.» Ebenso undenkbar sei es, mit rot geschminkten Lippen an der Teezeremonie teilzunehmen, weil der rote Lippenstift an den kostbaren Tassen haften bleiben könnte. In der japanischen Schönheitsphilosophie gehe es in erster Linie um Respekt vor den Mitmenschen und vor sich selbst. Schön sei man nicht, weil man mit hübschen Genen geboren wurde, erläutert Kazu Huggler, schön zu sein, bedeute in Japan, gepflegt zu sein, was wiederum und vor allem heisse, sauber und reinlich zu sein. Das beginne schon in ganz jungen Jahren. Gebadet werde täglich, nachdem man sich gründlich gewaschen habe. So könne die ganze Familie dasselbe Wasser benutzen. Schon die Kinder lernen Haare, Haut und Nägel zu pflegen. «Reinlichkeit, Sauberkeit und Hygiene sind in der japanischen Gesellschaft selbstverständlich», betont die Modedesignerin. «Es gibt in Japan super Seifen mit Reis und Seide. Und die Reinigungsprodukte und Shampoos duften wunderbar.»


In Japan empfinde man nämlich einen sauberen feinen Körperduft als schön, während Parfümduftwolken ein No-Go und in gewissen Restaurants gar verboten seien, weil sie den feinen Duft und Geschmack der Speisen beeinträchtigen würden. «Parfüms sind in Japan eher eine Markengeschichte», weiss die Mutter zweier Söhne, die ihre Haut nach den Reinigungsritualen mit der Saison angepassten Pflegeprodukten aus Japan verwöhnt. Starker Sonnenschutz gehöre im Sommer dazu, im Winter eine Wintercrème. Japanische Kosmetikmarken seien sehr nach den Jahreszeiten aufgebaut. Was wiederum ganz dem ästhetischen Anspruch der Japaner entspreche, wonach der eigene Look der Zeit, dem Ort und dem Anlass gerecht zu werden habe. Danach richtet Kazu Huggler ihren eigenen Stil und ihre Arbeit aus. «Eine 60-Jährige muss nicht wie eine 20-Jährige aussehen. Die Vergänglichkeit zu respektieren, einen liebevollen Umgang mit sich selbst und anderen zu pflegen sowie die Kleidung und Haltung passend zum Zeitpunkt zu wählen, macht Frauen schön», ist die 48-Jährige überzeugt.