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Style-Influencerin 

Sylwina Annina Spiess im Interview

Vor fünf Jahren tauschte sie die juristische Arbeit in einer Anwaltskanzlei und gelegentliche Modeljobs gegen die Freiheit im Netz ein, wo sie seither erfolgreich über Food und Fitness bloggt. Ihre Posts lässt sie durch einen Ernährungsberater und eine Ärztin kontrollieren. Seit Neuestem schart sie im Auftrag einer Kosmetikmarke ein Beauty-Team aus Influencern um sich – die «Beauty Squad Switzerland». Dabei ist nicht das Geldverdienen, sondern das Teilen von gemachten Erfahrungen ihr Antrieb.


Welches ist Ihr liebstes Beauty-Ritual?
Ich nehme mir Zeit für Masken, ich liebe Peelings bei müder Haut, und ich mache die Pediküre gern selbst.


Wie pflegen Sie sich jetzt nach dem Sommer?
Da ich nie an die Sonne gehe, muss ich auch keine Bräune erhalten. Meine Beauty-Routine ist immer unkompliziert. Wenn es wärmer ist, nehme ich eine leichte Feuchtigkeitspflege mit Lichtschutzfaktor, bei Kälte eine reichhaltigere Crème. Ich benutze immer ein Hyaluronserum, das ist das Wichtigste, auch im Winter. Meine Mutter hat mich immer vor dem Rauchen und vor der Sonne gewarnt. Beides lässt die Haut schnell altern, deshalb mache ich es nicht. Ich trinke zudem immer viel Wasser, weil sonst die Haut austrocknet. Das ist eigentlich schon alles.


Wie rettet man den Beach-Body in den Herbst?
Indem man meine Social-Media-Kanäle verfolgt! Der Herbst ist eine gesunde Zeit. Man soll von der Erntesaison profitieren und auch von Wild. Ein schlechtes Gewissen zu haben, ist sowieso kontraproduktiv. Ich liebe Glace und esse im Sommer jeden Tag eine. Mein Trick ist, dass ich sie nicht für zu Hause kaufe, sondern draussen auf der Strasse oder in einer Pause im Park esse. Ich geniesse auch mal einen Drink. Wenn man Lust hat, soll man es machen. Man muss den Körper gut behandeln, sonst rächt er sich.


Worauf achten Sie in Ihrer Ernährung besonders?
Ich meide raffinierten Zucker und verwende ein Minimum an Öl. Öl ist meistens zu bearbeitet und schwierig zu dosieren. Man nimmt tendenziell zu viel. Aber ich bin nicht missionarisch. Klar hat Glace Zucker und Fett, aber das ist nicht so schlimm.
Ich versuche, die Faustregel von 50 Prozent Kohlenhydraten, 30 Prozent Eiweiss und 20 Prozent Fett zu befolgen. Sobald Öl im Spiel ist, überschreitet man den Wert sofort. Ich ziehe es vor, Öl aus unverarbeiteten Lebensmitteln zu konsumieren, auch in Form von Früchten – also ganze Oliven statt Olivenöl und Avocado anstatt Avocado-Öl. Aber keine Bange, im Restaurant veranstalte ich kein Theater. Da esse ich alles. Wenn man auswärts isst, soll man es geniessen.


Wie entspannen Sie sich?
Beim Kochen und beim Lesen. Und mit Sport. Ich arbeite viel am Computer. Wenn ich verspannt bin, mache ich Stretching oder nehme ein Bad. Ich suche ganz gezielt den Ausgleich zu unserer hektischen Gesellschaft.   Ich baue kurze Entspannungsphasen in meinen Alltag ein. Bewusst durch die Nase einatmen hilft bei Stressabbau. Ich treffe gern Leute auf ein Gespräch. Ich male auch gern, nicht Kunst, sondern im Dekobereich. Ich färbe liebend gern Objekte um. Im Moment in Bronze und Gold, was sehr im Trend ist. 


Was geben Ihnen diese kleinen Auszeiten?
Ich bin dadurch ein mega zufriedener Mensch, weil ich mir bewusst solche Momente gönne – auch wenn es nur fünf Minuten sind. Es ist doch so: Wenn wir nicht achtgeben, haben wir das Handy dauernd in der Hand.


Haben Sie Ihre Herbstgarderobe schon zusammengestellt?
Nein. Ehrlich gesagt, bin ich kein Modefreak. Ich kaufe funktional ein, schaue zum Beispiel auf die Materialien und darauf, dass die Kleidungsstücke nicht so schnell knittern im Koffer. Für die kühlere Jahreszeit liebe ich Kaschmir. Ich werde mir bestimmt ein paar Kaschmirteile wie Schals, Pullis und Leggings kaufen. Im Moment stehe ich auf die Farben Dunkelgrün, Orange und Senf. Und Hüte finde ich auch ganz toll.


Haben Sie einen Shopping-Tipp?
Ich besuche in Geschäften lieber die Food- als die Fashion-Abteilung. Das finde ich am spannendsten. Der Globus ist dafür einer meiner Lieblingsorte.


Beschreiben Sie bitte Ihren Mode- und Beauty-Stil.
Simpel und funktional. Beauty für jeden Tag geht bei mir sehr schnell. Zu Hause trage ich kein Make-up. Wenn ich jemanden treffe, lege ich ein minimales Make-up auf. Wenn ich ausgehe, auch etwas mehr. Das Schminken habe ich mir übrigens via YouTube-Tutorials selbst beigebracht. Und wenn ich nichts Besonderes vorhabe, kleide ich mich in Active Wear, damit ich zwischendurch auch mal kurz ins Gym springen kann. Für Events mache ich mich aber gern chic und verwende Zeit auf meinen Look.


Wie sieht Ihr Arbeitstag aus?
Ich wache zwischen sechs und acht Uhr auf, ohne Wecker. Deshalb mache ich am Morgen keine Termine. Nach dem Frühstück geht es an die Arbeit in meinem Home-Office. Am Morgen ist das Licht besonders gut für Food-Bilder. Nachdem ich meine E-Mails beantwortet habe, gehe ich hinaus. Das ist jeweils so gegen elf Uhr. Ich mache viele Termine ausserhalb des Home-Office, der Austausch mit anderen Leuten ist mir wichtig. Und zwar «face to face». Danach gehts ins Gym und später zum Einkaufen für das Rezept, das ich am nächsten Tag posten will. Dann ist wieder Büro angesagt.


Neben dem Bloggen in eigener Sache, haben Sie seit  Neuestem einen Job in der Kosmetik. Was machen Sie da genau?
Ich arbeite als offizielle Spokesperson für L’Oréal Schweiz, spezifisch im Bereich des Influencer-Marketing – Inhalte, spannende und authentische Geschichten auf Social Media, darauf bin ich auch mit meiner Firma Share Square spezialisiert. Der Fokus in der Beauty-Kommunikation liegt auf Social Media, vor allem auf Instagram, das sehr visuell ist. Ich suche also Leute, die Beauty verstehen, die kreativ sind, die Produkte gern haben und die ihre Erfahrungen damit auf Social Media teilen möchten. Sie sollen sich online austauschen, aber auch offline treffen. Die Community lebt von der Realität und deren Persönlichkeiten. Im Austausch mit all diesen vielen Leuten entstehen so Kreativität, Fortschritt, Inspiration und Innovation. Meine persönliche Rolle ist die der «Lorealista» für die Schweiz. Seit Juni dieses Jahres bin ich exklusiv bei L’Oréal unter Vertrag. Ich werde die Marke auch repräsentativ an Events vertreten. Das gefällt mir sehr, weil ich das Image von L’Oréal klassisch, zeitlos und schön finde. Zudem ist es für mich als Lifestyle- und Food-Bloggerin glaubwürdiger, mich nicht mit verschiedenen Brand-Posts im Bereich Make-up zu schmücken – diese Regel gilt natürlich nicht für spezifische Beauty-Blogger. Zudem habe ich zu L’Oréal lustigerweise eine fast traditionell familiäre Beziehung. Mein Grossvater war Coiffeur und arbeitete später in Verkauf und Marketing für L’Oréal. Es ist also einfach für mich, authentische Inhalte zu kreieren, da ich voll hinter den Produkten stehe und sie wirklich liebe!


Was wollen Sie mit Ihren Social- Media- Aktivitäten erreichen?
Ich will eine gute Botschaft teilen und mache mich stark für gute Lebenswerte und für Zufriedenheit. Ethische Werte sind mir wichtig, und ich kommuniziere sie für den Alltag. Ich sehe mich nicht in der Rolle der Influencerin, die diktiert, was gut ist und was nicht, und alle sollen mir hinterherlatschen. Ich bin ein Mensch wie alle anderen, deshalb kommuniziere ich auf 
Augenhöhe mit meiner Community


Als Bloggerin inspirieren Sie andere. Wo holen Sie Ihre Inspiration her? 
Von anderen Bloggern und aus der Social- Media- Community. Ich bin sehr online- orientiert. Wenn mir etwas gefällt, folge ich den anderen Bloggern. Ich finde Social Media grossartig und spannend, weil wir direkt zwischen den Menschenmiteinander diskutieren können. Ich kann schauen, was jemand in Thailand zum Frühstück isst. Ich finde Posts von Menschen authentischer als Markenwerbung.


Wer ist Ihre Stil-Iikone?
Ich bewundere Kate Middleton. Sie hat einen megaschönen, dezenten Stil und bleibt sich treu. Ariana Grande finde ich auch toll wegen ihres eigenen Looks.