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Die Glutprobe - Grillieren im Walde

Als Caveman gehörte man ursprünglich zu der Sorte Menschen, die in Höhlen lebten, damals in der Steinzeit. Irgendeiner unter Ihnen hat – wohl per Zufall – das Feuermachen erfunden. Und löste damit prompt eine neue Evolutionsstufe der Menschheit aus. 

Heute stellt man sich unter einem Caveman den prototypischen Outdoor-Hipster vor – mit kariertem Hemd, Hosenträgern und Bartgesicht. Doch eigentlich ist ein Caveman – oder auch eine Cavewoman – einfach jemand, der dem «Back to Nature»-Lifestyle frönt. 

Das zeigt sich insbesondere beim Grillieren in der freien Natur. Aber bitte ohne Grillrost! Es ist die Glut, die den Unterschied zwischen einem einfachen Picknick-Grilleur und einem echten Caveman und einer echten Cavewoman ausmacht.


Etwa Zehntausend Jahre liegt die Zähmung des Feuers hinter uns. Faszinierend ist das Grillieren draussen in der freien Natur bis heute.


Für die zeitgemässe Version suchen wir uns ein schönes, lichtes Plätzchen im Wald. Je einsamer, desto besser. Zur Vorbereitung des Steinzeit-Abenteuers gehört aber auch, herauszufinden, wo überhaupt im Walde ein Feuer gemacht werden darf. Grundsätzlich ist, wo keine Gefahr für Waldbrand besteht, Feuermachen überall erlaubt.

Es gibt aber auch Orte, die Feuermachen verbieten. Im Tessin ist es bei trockenem Wetter zum Beispiel nirgendwo erlaubt. Und Naturschutzzonen sind selbstverständlich ein No-go. Als Paleomensch ist man also besser informiert unterwegs. Sollte es diesbezüglich Ärger geben, ist es mit dem Spass schnell vorbei. 

Und das sollte jetzt nicht als Einschränkung des Steinzeit-Feelings aufgefasst werden: Auch die Höhlenbewohner entfachten nicht einfach unbedacht irgendwo ihre Feuer. Wer auf Nummer sicher gehen will,  nutzt eine der offiziellen Feuerstellen wie etwa die der «Schweizer Familie». Diese sorgen aber nur bedingt für ein echtes Caveman-Feeling. 


Die Axt muss her – Holz wird im Wald selber gehackt!


Die erste Tat im Wald: Holzhacken! Dazu braucht es eine anständige Axt, etwas Muskeln und viel Schwung. Für ein gutes Feuer sollte trockenes Holz verwendet werden, das mindestens ein Jahr gelagert wurde.

Will man besondere Geschmäcker des Holzes an das Grillgut bringen, wählt man Obst- oder Kirschbaumholz. Briketts eignen sich nicht – das passt nicht zum Caveman-Abenteuer, und sie enthalten zudem Binde- und Klebstoffe. Und die will niemand auf seinem Grillgut. 


Das perfekte Glutbett


Damit das Feuer auch gelingt, braucht es für die Feuerstelle eine trockene Unterlage. Nasser Waldboden eignet sich weniger. Ist diese gefunden, geht’s auf die Suche nach grossen Steinen. Diese brauchen wir, um die Feuerstelle einzufassen. Weil Steine zusätzlich Hitze speichern, geben sie diese gleichmässig an das Grillgut ab.

Und bitte: ins Feuer kommt einzig Holz. Papier und Zeitungen sind Frevel! Mit ins Gepäck kommen auch immer eine Grillzange und feuerfeste Handschuhe.


Trauen Sie sich, und legen Sie Ihr Steak direkt in die Glut!


Denn als Caveman wirft man Steaks, Fische, Meeresfrüchte, Gemüse, Früchte – oder was immer man will – in die Glut des Feuers, ohne Pfanne, ohne Grillrost – rein gar nichts. Einzig die Macht des Feuers kommt ans Grillgut. Vermutlich brieten bereits die Neandertaler auf diese Art ihre Mammutkeulen. 

Das bekannteste Steinzeit-Rezept ist das «Caveman Steak». Ideal sind Rib Eye Steaks (Tomahawk), aber auch T-Bone Steaks. Natürlich darf es auch ein Kotelett vom Weide- oder Wollschwein sein oder ein Steak vom Kalb. 


Glutspiel mit Crevetten


Ganz besonders gut schmecken auch auf dem Feuer gegrillte Crevetten. Ihre schützende Schale wirkt wie ein Steamer und dadurch wird das Crevettenfleisch sehr saftig und voller Aroma – am besten gelingt’s wenn sie in einer Eisenpfanne auf die Glut kommen. Egal was gegrillt wird, wichtig ist das vollständige Herunterbrennen des Feuers. Dazu unbedingt genügend Zeit einberechnen – mindestens eine Stunde.

Sobald die Glut mit einer feinen, hellgrauen Ascheschicht überzogen ist und das letzte Züngeln der Flammen Geschichte ist, kann es losgehen. Übrigens: Ob beim Glutgrillen die dünne Ascheschicht vom Grillgut entfernt werden soll, ist reine Geschmackssache. Schädlich ist sie nicht, sie hat nur ein leicht säuerliches, mineralisches Aroma. 


Ein «No-Knead-Bread» backen


Besonders gut zum Steak schmeckt auch ein frisch gebackenes Brot. Mit dem «No-Knead-Bread» gelingt  das ganz einfach. Dazu wird am Vortag  Mehl, Salz, Wasser mit einem Holzlöffel zusammengerührt. Ohne jegliches Kneten, einzig mit der Kraft der Zeit, hat man nach 20 Stunden die Grundlage für das Knusperbrot, das man noch zuhause im Backofen bäckt und ein Leinentuch gewickelt mit in den Wald nimmt.


Aufs Maximum reduziertes Abenteuer


Der Ausflug in die Steinzeit  ist auch stilistisch eine «Back to Basics»-Angelegenheit. 

Man begnügt sich mit einfachster Ausrüstung und packt neben den Grillwerkzeugen höchstens noch Steakmesser, Gabel, Holzbrett (oder Email-Teller) bruchsichere Trinkgläser und eine Decke die auch mal dreckig werden darf ein.

Schliesslich ist das hier ein Steinzeitabenteuer und kein Picknick!