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DELICUISINE STORY

Picknick Geschichten

Wer nun das Picknick erfunden hat, darüber streiten sich die Briten und Franzosen seit jeher. Dabei hat man schon immer draussen gegessen – etwa die Bauern nach getaner Arbeit gleich auf dem Feld. Doch das Picknick so wie wir es heute kennen, führt nicht etwa auf den bäuerlichen Lebensstil zurück, sondern auf gelangweilte französische Adelige des Ancien Régime, die dem eintönigen Leben am Hofe entkommen wollten und es sich an langen Tafeln im Grünen gutgehen liessen. Der Begriff Pique-Nique wurde damals auch ins französische Wörterbuch aufgenommen. So richtig populär wurde das Picknick erst im British Empire unter der Regentschaft von Queen Victoria. Und das nicht nur, weil Ihre Majestät es liebte, draussen zu speisen, sondern weil mit der Industrialisierung die Städte immer überfüllter und verdreckter wurden und eine kleine Abwechslung draussen in der Natur willkommen war.

Das Picknick entwickelte sich damals in Grossbritannien richtiggehend zu einem Volkssport. Passenderweise wurde der klassische Picknickkorb genau zu dieser Zeit erfunden. Ein paar Jahre später bescherte britischer Erfindergeist auch noch die Thermoskanne dazu. Wer nun tatsächlich das Picknick erfunden hat? Who cares! Interessant ist, dass sich daraus zwei unterschiedliche Picknick-Stile entwickelt haben. Und wie man aus den beiden das Schönste für ein stilvolles Picknick kombiniert.

Bild: Keystone, "Sense and Sensibility", United Archives IFTN 

Englisch Picknicken

Die Engländer veranstalten ein Picknick oft rund um eine Veranstaltung. Bei Pferderennen, wie etwa in Ascot, Opernhäusern wie das von Glyndebourne, bei Tennistournieren oder beim Cricketspiel, gehört ein Imbiss im Grünen zur Tradition. Aber auch sonst an einem idyllischen Plätzchen im «countryside», das schattig und doch leicht besonnt ist und vorzugsweise an einem Bach liegt. Das angenehme Plätschern soll, so wird erzählt, zum Small Talk anregen. Engländer bewahren im Gegensatz zu Kontinentaleuropäern auch beim Picknicken Form: beim Outdoor-Imbiss an einem der grossen Anlässe, sieht man nicht selten Smoking und lange Kleider. Bei informelleren Picknicks darf’s zwar sportlicher sein, aber nicht nachlässig. Plastikgeschirr und -besteck sind bei einem gepflegten Picknick auf der Insel tabu. Eingepackt wird Porzellangeschirr, Silberbesteck, Stoffservietten und ein schottisches Wollplaid. Engländer sitzen auch nicht einfach auf dem Boden, sondern wählen Klappstühle als Sitzgelegenheit. Im weidegeflochtenen mit kariertem Stoff gefütterten Picknickkorb befinden sich typisch britische Picknickgerichte wie kaltes Geflügel, kalter Rindsbraten, Lachs, Fingersandwiches und Salate. Weisswein und Champagner stehen in der Kühlbox dabei. Zum Dessert gibt es Früchte und Kuchen. Dazu darf natürlich der englische Tee nicht fehlen.

Französisch Picknicken

Ein französisches Picknick hingegen, ist eine sehr spontane Angelegenheit. Dazu braucht man nicht viel: eine Decke, einen guten Wein, ein Baguette und gute Freunde – voilà! Ob am Strand oder einem «déjeuner sur l’herbe» auf der Wiese, in einer Waldlichtung oder in einem Stadtpark – in Frankreich wird überall unkompliziert ein Picknick veranstaltet. Porzellan oder Picknickgeschirr aus Plastik? Das ist den Franzosen einerlei. Hauptsache es schmeckt und die Stimmung ist gut! In den französischen Picknickkorb kommen neben Wein – ob Roter, Weisser, Rosé oder gar Champagner entscheidet die aktuelle Laune – und Baguettes immer französische Käse dazu. Besonders beliebt sind der Beaufort und der Tomme de Savoie. Und Saucen wie eine Rouille oder ein Pistou sind zum Dippen mit einem abgebrochenen Stück Baguette auch sehr beliebt. Süsses gibt es in Form von Madeleines oder Tartelettes mit Früchten oder ‚au vin’.  Auf Frankreich, besser Paris, zurückführen kann man auch das «Dîner en blanc». Das ist eine grosse Picknick-Veranstaltung mit oft mehr als hundert Personen, das über Netzwerke von Freunden und Bekannten organisiert wird. Dabei erscheinen alle weiss gekleidet, was aus einem ganz normalen Picknick etwas Besonderes macht.

Picknicken mit Stil

In unseren Gefilden passt ein guter Mix aus beiden Stilen. Schön ist die britische Tradition auch in der Natur eine gewisse Form zu wahren. Das heisst kein Plasikgeschirr und -besteck, kein Tupperware, in der Küche vorbereitete Speisen. Schön und praktisch sind zum Bespiel kleine Speisen in Weckgläsern.Von den Franzosen kann man sich von der unkomplizierten Lebensfreude anstecken lassen, bequemes Outfit tragen, mit guten Freunden zusammensein und einfach eine gute Picknick-Stimmung schaffen.