Mit Nadel und Faden: Herrenkleidung nach Mass

Mit Nadel und Faden: Herrenkleidung nach Mass

Savile Row, die Masskonfektion von Globus, erfüllt an elf Standorten Träume von perfekt sitzenden Kleidungsstücken.

Text: Nina Rinderknecht, Fotos: Roderick Aichinger 25. April 2019
Eine schier endlose Auswahl an Stoffen steht zur Verfügung. 
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An einer der geschäftigsten Ecken der Zürcher Innenstadt findet sich eine kleine Oase. In einem grossen Gebäude am Löwenplatz werden im ersten Stock aus den feinsten Stoffen textile Meisterstücke direkt auf den Körper geschneidert.

Hüterinnen des 65 Quadratmeter grossen Reiches sind Julia Greiner, Eva Sovicova und Zemruse Sulejmani. Die drei gelernten Schneiderinnen nehmen hier Mass für die perfekte Herren-Garderobe: Anzüge, Vestons, Gilets und Hemden werden nach Wunsch gefertigt.

Der Ursprung des Begriffs Savile Row liegt in der gleichnamigen Strasse im Londoner Stadtteil Mayfair. Bedeutung erlangte die Strasse ab Mitte des 18. Jahrhunderts durch die grosse Anzahl an Herrenausstattern, in denen nach Bespoke-Art Kleidung massgefertigt wurde. «Bespoke» bedeutet, dass jedes Kleidungsstück individuell und einzeln mit dem Kunden besprochen wird. Die Savile Row ist immer noch eine Einkaufsstrasse, jedoch wird ihr Name heute auf der ganzen Welt zur Kennzeichnung von Masskonfektion verwendet.

Zurück nach Zürich: Wir betreten den elegant gestalteten Raum, der etwas wie ein britisches Herrenzimmer anmutet. Gestelle säumen die Wände, darin stehen unzählige Musterordner gefüllt mit Stoffen in jeder erdenklichen Farbe und Musterung. Daneben liegen auf Tischen Schachteln mit Knöpfen – von klassischem Schwarz bis zu schimmerndem Violett findet sich dabei alles. Das muss wohl das Modeparadies sein. Julia Greiner erklärt: «Die Kunden kommen zu uns, um mit unserer Unterstützung die perfekte Wahl zu treffen. Viele beginnen mit Klassikern und ergänzen dann ihre Garderobe mit etwas verrückteren Stücken.»

«Unsere Stärke ist es, auf die Menschen einzugehen und genau zu spüren, was sie sich wünschen»

 

Julia Greiner, Savile Row, Masskonfektion Globus

Den Kreationen sind keine Grenzen gesetzt. Wer gegen aussen nicht allzu auffällig erscheinen mag, der verwirklicht sich im Inneren: Bunte Futterstoffe, personalisierte Stickereien oder paspelierte Futtertaschen – möglich ist alles. Und doch sind es meistens Business-Anzüge, die bestellt werden. «Dunkelblau und dunkelgrau sind die beliebtesten Farben, im Sommer kommen noch Braun- und Beigetöne dazu. Aber auch Karos und Stoffe mit Struktur wie Birdseye oder Fil-à-Fil sind sehr angesagt», erklärt Greiner. «Bei den Schnitten geht die Tendenz stark zu schmal geschnittenen Vestons und Hosen. Oder aber zum Gegenteil: Entspannte Oversized-Formen sind klar im Trend», ergänzt sie. Und weiter: «Wir merken auch, dass es Veränderungen in den gängigen Dresscodes gibt. Der Casual Friday setzt sich mehr und mehr durch. Und auch an den anderen Tagen der Woche wird es immer zwangloser.»

Das ist es, was die Masskonfektion ausmacht: die Persönlichkeit der Kunden zu spüren, ihr privates und berufliches Umfeld zu verstehen, die Art, wie sie sich bewegen, zu verinnerlichen. So entstehen Teile, die eher einer Skulptur, einem 3D-Objekt ähneln. Sie sind nicht flach wie ein Anzug von der Stange, sondern sie sind aus Stoff, der lebt und sich an den Träger heranarbeitet. Wer einmal so einen Anzug hatte, will danach nie mehr etwas anderes.