Ein kleines Weingut aus Graubünden hebt Bio-Weine auf ein neues Niveau

Ein kleines Weingut aus Graubünden hebt Bio-Weine auf ein neues Niveau

Dass Bio-Weine gut für die Umwelt sind, aber schlecht für den Gaumen, ist längst widerlegt. Aber können sie auch mit der klassisch angebauten Konkurrenz mithalten? Für die ausgezeichneten Tropfen des Weinguts zur Sonne lautet die Antwort: definitiv ja.

Text Christina Hubbeling, Fotos Roderick Aichinger
Standort mit Tradition: Seit dem 8. Jahrhundert wird im Rheintal Graubündens Wein angebaut

Ein tiefblauer, wolkenloser Himmel, Temperaturen von über 30 Grad, staubtrockene Erde und Wiesen, die so gelb leuchten wie ein Weizenfeld nach der Ernte – was an die hochsommerliche Toskana erinnert, ist ein mit Pinot noir und Completer bestückter Weinberg in der Bündner Herrschaft, der zum Weingut Obrecht gehört.

Es gehört nicht viel dazu, um zu erkennen, dass es die ausgetrocknete Natur nach Regenwasser dürstet. Doch um die Rebstöcke müsse man sich nicht sorgen, versichert Francisca Obrecht: «Die meisten unserer Reben sind an die 50 Jahre alt und haben tiefreichende Wurzeln. Die Trockenheit sollte ihnen nichts anhaben.» 

Alle WEINE von FrancisCa und Christian Obrecht

Brut 2014

Francisca und Christian Obrecht

Brut 2014

CHF 39.90

Francisca und Christian Obrecht

Brut 2014

CHF 39.90
Marc 1846

Francisca & Christian Obrecht

Marc 1846

CHF 49.90

Francisca & Christian Obrecht

Marc 1846

CHF 49.90
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Zusammen mit ihrem Mann Christian führt die Winzerin das Weingut seiner Familie in der fünften Generation. Seit zwei Jahren wirtschaftet das Paar nach den strengen Richtlinien der biodynamischen Landwirtschaft: Es wird nicht nur konsequent auf synthetische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger verzichtet, sondern auch auf Planetenkonstellationen geachtet. Bei der Pflege der Reben kommen Naturpräparate zum Einsatz.

Wissenschaftliche Beweise, dass biodynamische Landwirtschaft bessere Weine hervorbringt, gibt es nicht. Eine Verkostung der Obrecht Weine spricht aber für sich. Genau wie der erste Platz für ihren Monolith Pinot noir beim Schweizer Bioweinpreis 2018. «Das Spannende am biodynamischen Anbau ist, dass man sich viel intensiver mit der Natur, der Erde und vor allem mit den Reben auseinandersetzen muss», sagt Francisca Obrecht.

«Wir sind ein kleiner Familienbetrieb. Da muss jeder anpacken.»

Der Monolith ist das Flaggschiff des sieben Hektar kleinen Familienbetriebs. Das Maximum aus dem Pinot noir herauszuholen, lautet das Credo bei dessen Vinifizierung. Für die Kellerarbeiten ist Christian Obrecht zuständig. Sein Know-how hat er sich im elterlichen Weinbetrieb von klein auf erworben. Vertieftes önologisches Wissen kam später an der Fachhochschule in Wädenswil sowie durch Praktika im In- und Ausland hinzu. Die Arbeiten auf dem Feld sind Franciscas Domäne. Während der Erntezeit sitzt die Biotechnologin mit Innerschweizer Wurzeln schon morgens um 6 Uhr auf dem Traktor und arbeitet bis spät in die Nacht hinein.

Die Hochphase beginnt jeweils gegen Mitte September, wenn die Traubenlese ihren Anfang nimmt. «Sobald die Trauben nicht mehr grün, sondern blau geworden sind, verkosten wir sie täglich, um den richtigen Moment für die Ernte nicht zu verpassen», sagt die 42-jährige Winzerin. Dies ist immer auch die Phase, in der das ansonsten so harmonische Ehepaar viel diskutiert. Denn damit der Wein Harmonie, Finesse und Eleganz erhält, dürfen die Trauben keineswegs zu spät gelesen werden. Aber eben auch nicht zu früh.